Was versteht man unter einem Trennungsjahr?

Bevor Sie die Scheidung rechtlich beantragen können, müssen Sie in Deutschland das Trennungsjahr durchlaufen. Das bedeutet, dass das Ehepaar mindestens ein Jahr voneinander getrennt lebt. Kurzzeitige Versöhnungsversuche werden hierbei nicht berücksichtigt.

Nach dem Trennungsjahr können Sie entweder gemeinsam die Scheidung beantragen oder auch nur einer von Ihnen beiden, während der andere Ehepartner den Antrag lediglich bestätigt. 

Falls Ihr Partner der Scheidung nicht zustimmt, kann das Gericht nach einem dreijährigen voneinander getrennt leben, die Scheidung feststellen und aussprechen. Beachten Sie hierbei aber, dass, wie bereits erwähnt, die Nachweispflicht über die Trennungsdauer beim Scheidungswilligen liegt.

Was muss eingehalten werden?

Für die Anerkennung eines Trennungsjahres reicht es nicht aus, wenn Sie behaupten, Sie und Ihr Partner verstehen sich nicht mehr und wären deshalb getrennt. 

Um die Voraussetzungen des Trennungsjahres zu erfüllen, darf keinerlei häusliche Gemeinschaft mehr zwischen Ihnen existieren. Sie müssen vollständig getrennte Wege gehen, d. h. Sie dürfen in keinerlei gemeinsamen Beziehungsverhältnis mehr zueinander stehen. Sie können zwar noch miteinander reden und müssen sich nicht “die Pest an den Hals wünschen”, ansonsten müssen Sie allerdings privat wie erwähnt komplett eigene Wege gehen.

Ein hinreichendes Indiz für eine Trennung, liegt vor, wenn Sie oder Ihr Partner aus dem gemeinsamen Haus oder der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sind und dadurch räumlich voneinander getrennt leben.

Unter bestimmten Bedingungen kann es für das Trennungsjahr ebenfalls ausreichen, wenn zwar beide Ehepartner weiter unter einem Dach wohnen, aber keinen gemeinsamen Haushalt mehr führen. Entscheidendes Kriterium für diese Variante ist z. B. die Tatsache, dass auch keine alltäglichen Dinge wie Wäsche waschen oder für einander einkaufen gehen, etc. mehr ausgeübt werden. 

Der Scheidungsantrag 

Ehen können in Deutschland lediglich auf Antrag eines oder beider Ehegatten geschieden werden. Die Scheidung selbst wird durch einen Beschluss vom Familiengericht getroffen. Da subjektive-, emotionale- und objektive Gründe für eine Scheidung deutlich voneinander zu trennen sind gilt hier grundsätzlich Anwaltszwang. Nicht einmal der Scheidungsantrag selbst kann in Deutschland ohne Anwalt beim Gericht eingereicht werden. Und dieser darf die Scheidung erst nach dem Trennungsjahr beantragen. 

Selbst bei einer sehr kurzen Ehedauer muss das Trennungsjahr immer eingehalten werden. Dies würde sogar für das Szenario gelten, wenn sich ein Ehepaar bereits in der Hochzeitsnacht trennen würde. Die Scheidung könnte dann ironischerweise erst am ersten Hochzeitstag beantragt werden. 

Der Zugewinnausgleich

Wird eine Ehe geschieden, stellt sich die Frage wie das gemeinsame Vermögen aufgeteilt werden soll. Wurde kein Ehevertrag mit individuellen Regeln geschlossen, so wird nach deutschem Recht von einer sogenannten Zugewinngemeinschaft ausgegangen. Das bedeutet, das gemeinsame Vermögen wird als Zugewinn betrachtet. Dabei ist es ein weit verbreiteter Irrglaube, dass das persönliche Vermögen, das in die Ehe eingebracht wurde, beiden Parteien gehört. Es bleibt juristisch auch während der Ehe voneinander getrennt. Dies gilt auch in Fällen, in denen einer der Eheleute während der Ehe etwas kauft oder erbt. Lediglich das gemeinsam in der Ehe erworbene Vermögen inklusive der Vermögensgüter wie Aktien oder Immobilien wird im Falle einer Scheidung aufgeteilt. Dann erfolgt ein Ausgleich des Zugewinns. Falls hier Uneinigkeit besteht, muss der Zugewinn gerichtlich geltend gemacht und ein Anwalt eingeschaltet werden.  

Zum Zugewinn zählt alles, was Sie und Ihr Partner während der Ehe erwirtschaftet haben. Hierbei kann es sich um Bankguthaben, Grundstücke, Wertpapiere, Versicherungen, Lottogewinne, Luxusgüter oder auch um ein Unternehmen handeln. Vermögenswerte wie Immobilien werden im Zugewinn anteilig auf beide Ehepartner zugerechnet. Nicht berücksichtigt werden hingegen Hausrat und Altersversorgung (auf Rentenbasis). Letzteres ist entscheidend für den Versorgungsausgleich.  

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Vermögensgüter, wie beispielsweise gemeinsame Immobilien, lassen sich nur schwer physisch aufteilen und führen oftmals zu Streitigkeiten bei der Bewertung des Zugewinnausgleichs. Um diese zu lösen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Auszahlung eines Partners oder eine Übertragung des Objektes auf die gemeinsamen Kinder. 

Die transparenteste und oftmals gewählte Option ist jedoch der Verkauf der Immobilie, da sich der Verkaufserlös gleichermaßen teilen lässt. In jedem Falle sollten Sie diese wichtigen Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus treffen. Nutzen Sie stattdessen das Trennungsjahr um sich über die richtigen Scheidungsmodalitäten in Bezug auf Ihr Vermögen und insbesondere bezüglich Ihrer Immobilien klar zu werden. Versuchen Sie dabei alles, damit Sie und Ihr (Ex-) Partner zu einer einvernehmlichen Lösung kommen. Eine Scheidung ohne eine Einigung über Immobilien, über den Unterhalt und über den anfallenden Zugewinnausgleich ist nicht sinnvoll. Dann kommt es in aller Regel zu einer Teilungsversteigerung, bei welcher beide meist auf sehr viel Geld verzichten und mit höheren Kosten rechnen müssen. Hierzu aber später mehr.

Im Grundsatz gilt: Verzeichnet ein Ehepartner während der Ehe einen geringeren Zugewinn als der andere, so hat er durch den Zugewinnausgleich einen Anspruch auf einen Ausgleich. Konkret bedeutet das, dass der Ehepartner, der einen höheren Vermögenszuwachs in der Ehe erzielt hat, die Hälfte seines Zugewinns an den anderen Ehepartner abzutreten hat.