Vereinfacht lässt sich der Zugewinnausgleich als eine Vermögensaufteilung der während der Ehe erwirtschafteten Zugewinne beschreiben. Derjenige Ehepartner, welcher einen geringeren Zugewinn aufweist, besitzt einen Ausgleichsanspruch gegenüber dem anderen Ehepartner. Zur Ermittlung des Zugewinns werden die Anfangs- und Endvermögen beider Ehepartner miteinander verglichen. Die Differenz ergibt den Zugewinn.

Derjenige, der während der Ehe einen größeren Vermögenszuwachs erzielt hat, muss dem anderen Ehegatten die Hälfte der Differenz des Zugewinns, den beide Ehepartner während ihrer Ehe erzielt haben, abgeben. Dabei ist es unerheblich, wer mehr verdient hat oder wer welche Vermögensgegenstände bezahlt hat.

Liegen in der Bilanz mehr Schulden als Vermögen am Ende einer Ehe vor, dann ist der Zugewinn auf null zu setzen. Vom Grundsatz her gibt es nämlich keinen negativen Zugewinn. Um den Zugewinnausgleich berechnen zu können, ist deshalb eine Aufstellung aller Vermögenswerte notwendig.

Der Zugewinnausgleich wird im Rahmen der Scheidungsfolgen-vereinbarung berechnet. 

Hier ein Beispiel:

Ben ist ein relativ erfolgreicher Geschäftsmann und lernt mit 31 Jahren Melanie kennen und lieben. Bereits ein Jahr später heiraten sie. Ben besitzt bei Eheschließung 100.000€. Als das Paar drei Jahre später merkt, dass Ihre Ehe eine überstürzte Entscheidung war und sie sich auf eine Scheidung einigen, besitzt Ben 300.000€ auf dem Konto.

Melanie besaß zu Beginn der Ehe 10.000 € und bei der Scheidung 50.000 €. 

Der Zugewinn von Ben beträgt somit also 300.000 € – 100.000 € = 200.000 €. 

Bei Melanie stellt sich der Zugewinn wie folgt dar: 

Zugewinn von 50.000 € – 10.000 € = 40.000 €.  

Der Überschuss am Zugewinn beträgt also 200.000 € – 40.000 € = 160.000 €. Melanie erhält somit bei der Scheidung einen Zugewinnausgleich von Ben in Höhe von 80.000 €.

In diesem Beispiel stellte sich die Berechnung noch relativ einfach dar, da Ben und Melanie weder Immobilien noch andere Vermögensgüter besaßen. Hätten die beiden beispielsweise ein Haus besessen, welches Melanie bei der Scheidung übernehmen würde, wäre dies ebenfalls in die Zugewinnausgleichsberechnung als Wohnwert einzukalkulieren.